Wie ich lernte achtsam zu sein

Heute ist es fast genau ein Jahr her, dass mein Leben aus den Fugen geriet. Ein Jahr liegt hinter mir, in dem ich unglaublich viel lernte – vor allem über mich. Dank eines MBSR Kurses lernte ich einen ganz anderen Weg zu mir – einen achtsamen Weg zu mir.

Wenn das Leben einen aus der Bahn schmeißt

Damals habe ich gar nicht gemerkt, dass irgendwas gründlich schief lief in meinem Leben. Es passierte so unglaublich viel und das ganze natürlich auf einmal. Ganz plötzlich machte sich ein lieber Verwandter von mir auf den Weg zu den Sternen und ließ und alles sprachlos zurück. Es folgte ein Drittversuch in einer Klausur, an der die Zukunft meines Studiums hing und dazu eine heftige Klausurphase.

Irgendwann merkte ich, dass ich schlecht schlief. Mein Rücken war unglaublich verspannt, sodass ich Schmerzen im gesamten Oberkörper hatte. Und mein Puls war hoch – viel zu hoch für eine damals 21 Jährige.

Nachdem ich Abschied genommen hatte, den Drittversuch bestanden und die Klausurphase überlebt hatte, machte ich mir ernsthafte Gedanken wie ich aus diesem Stress Kreislauf hinauskommen könnte.

Durch meine Mama kam ich damals auf einen MBSR Kurs.

MBSR oder Mindfulness-Based Stress Reduction

Was ist MBSR und wie funktioniert es?

Mindfulness-Based Stress Reduction – kurz MBSR – wurde in den 1970er Jahren von dem amerikansichen Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn entwickelt. Hierbei handelt es sich um ein Verfahren, welches handfeste medizinische Vorteile mit sich bringt – unter anderem eben auch für gestresste Menschen wie mich.

Ziel vom MBSR ist es, dass nicht nur Stress reduziert wird, sondern auch innere Ruhe und Gelassenheit erfahren wird. Im dem von Jon Kabat-Zinn entwickelten Achtsamkeitstraining wird eine innere Haltung eingeübt, in der die Gegenwart bewusst wahrgenommen wird ohne diesen zu bewerten (gut/schlecht). Um diese Haltung zu lernen beruht das Programm, welches oft in 8 Wochen Kursen angeboten wird, vornehmlich auf Wahrnehmungsübungen, Meditation und Yoga.

Wie hilft MBSR mir Stress zu reduzieren?

MBSR hat überhaupt nichts mit Esoterik oder gar Religion zu tun. Es wurde sogar in Studien belegt, dass MBSR den Gesundheitszustand – sowohl psychisch als auch körperlich sehr positiv beeinflussen kann. So hilft das Achtsamkeitstraining von Kabat-Zinn nicht nur bei der Reduktion von Stress, sondern es reduziert auch Depressionen und Angst.

Eine ganz einfache und klassische Definition von Stress ist, dass Stress in unserem Kopf entsteht, indem wir unser aktuelles Erleben bewerten. Wir sind in einer Situation, die unsere Bewältigungskompetenz übersteigt und etwas gefährdet, so wird die Stressreaktion in Gang gesetzt. Und hier setzte Kabat-Zinn an, denn in dem Moment, in dem die Stressreaktion in Gang gesetzt wird, haben wir zwei Möglichkeiten:

  1. Wir können uns in die Stressreaktion hineinsteigern. Wir können unseren Gefühlen wie Wut, Überforderung, Angst oder auch Ohnmacht freien Lauf lassen
  2. Oder wir können einen kleinen Schritt zurücktreten, Wir können wahrnehmen, was gerade mit uns passiert. Tief ein- und ausatmen und die momentane Situation einfach wahrnehmen und akzeptieren. Diese Haltung bewirkt ein Nachlassen der Intensität unseres Stresslevels, muss aber intensiv trainiert werden – eben in einem MBSR Kurs unter fachkundiger Anleitung.

Wie läuft ein MBSR Kurs ab?

Ich selbst habe einen 8-Wochen Kurs besucht. Dabei geht es 8 Wochen lang einmal die Woche circa 3 Stunden zum MBSR Kurs. Außerdem gehört ein „Tag der Stille“ dazu an dem man einige Stunden nur meditiert und absolut nicht redet.

Beginnen tut ein MBSR Kurs immer mit einer Rosinen Übung: Hierbei beschäftigt man sich einige Zeit mit dem Anfassen, Aussehen, Geruch, Geschmack, etc. von einer Rosine – nicht wirklich cool, wenn man wie ich ein absoluter Rosinen Hasser ist.

Im Laufe der 8 Wochen wird man mit grundlegenden Meditationstechniken, wie dem Bodyscan – einer Meditation zu verbesserten Körperwahrnehmung, Yoga und der Sitz- und der Gehmeditation, bekannt gemacht. Natürlich lernst du nicht nur die „formelle Praxis“, sondern auch wie du es schaffst, im Alltag achtsam zu bleiben.

Ich lernte meine Symptome von innerer Anspannung und Stress frühzeitig zu erkennen und ihnen dann schnellstmöglich und effektiv entgegenzuwirken.

Mein Tipp: Viele Krankenkassen erstatten einen Teil der Kursgebühr zurück – frag doch mal bei deiner Krankenkasse nach.

Meine Erfahrungen mit MBSR

Ich muss ehrlich zugeben: Zu Beginn war ich absolut nicht überzeugt von Mamas Erzählungen vom MBSR. Ich kam mir fehl am Platz vor in meinem Grundkurs, in dem ich mit Abstand die Jüngste Teilnehmerin war. Aber bereits nach dem ersten Tag war ich überzeugte Verfechterin von MBSR.

8-Wochen später fühlte ich mich freier, entspannter und gewillt neue Erfahrungen zu machen. Wenn ich ehrlich bin: Beim letzten MBSR Kurs war ich unglaublich traurig, denn ein fortführender Kurs in meiner Gruppe war wegen meines Umzuges nach Recklinghausen nicht möglich.

So machte ich mich direkt nachdem wir unsere Wohnung gefunden hatten, auf die Suche nach einem Meditationskurs zur Vertiefung und wurde auch gleich fündig. Zum Glück war noch ein Plätzchen für mich frei. Keine Woche nach dem stressigen Umzug, wurde ich unglaublich liebevoll in meiner neuen MBSR Gruppe empfangen. Acht Termine voller Mediationen, Yoga und anderen Achtsamkeitsübungen, die vor allem auf ein gutes Mitgefühl sich selbst und anderen gegenüber abzielten, war ich wieder unglaublich erfüllt. Alleine das Betreten der Kursräumlichkeiten lies mich zur Ruhe komme, ich fühlte mich wach, geborgen und frei – nach jeder Meditation war ich näher bei mir.

Nach dem Ende meines ersten Vertiefungskurses steht für mich fest: Ich meditiere weiter! Zum nächsten Kurs bin ich schon angemeldet und freue mich wirklich auf den Beginn.

Auch im Alltag bin ich achtsamer geworden. Ich merke was mir gut tut und komme auch mit schwierigen Situationen viel gelassener klar. Nur die formelle Praxis verschludere ich etwas (warum eigentlich?). Aber ich bin weit davon weg mir irgendwie mehr Stress zu machen: Alles ist gut wie es ist.

Und auf einmal war mein Leben wieder gut

Ich hätte nicht gedacht, dass sich mein Leben innerhalb eines Jahres so ändern kann. Dass sich meine Einstellung so ändern kann.

Ich stehe früher auf, trinke langsam meinen schwarzen Tee. Genieße wie die Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht tanzen. Ich bin glücklich, das kann ich sagen. Ein Jahr hat viel verändert und die (positive) Veränderung ist noch nicht vorbei – denn ich möchte im nächsten Jahr noch achtsamer werden, für mich.

Hast du schon einmal meditiert? Und kennst du MBSR?

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