Du studierst Chemie?!

Gefahrstoffpiktogramme

Chemie habe ich gleich als erstes abgewählt

Chemie ist/war ein Horrorfach

Chemie habe ich noch nie verstanden

Siehst gar nicht aus wie eine Chemikerin

Das sind wohl die häufigsten Antworten, wenn mich jemand fragt, was ich studiere.

Bis heute hab ich auf die Antwort „Ich studiere Chemie, und du?“ keine wirklich positive Antwort bekommen, dafür aber ganz viele Vorurteile.

Chemiker bekommen leuchtende Augen, wenn irgendwo etwas zischt, leuchtet oder explodiert.

Jein, viele männliche Studenten freuen sich tatsächlich, wenn etwas zischt, leuchtet oder explodiert; leuchtende Augen hab ich aber nur bei sehr, sehr wenigen gesehen und die gehörten zu den wirklich verbissenen Chemie-Studenten. Ich und viele der weiblichen Studentinnen finden das mit dem Explosionen dann nicht ganz so toll, ich erschrecke zum Beispiel bei jeder Explosion auch wenn sie vorher angekündigt wurde. Aber mit leuchtenden Sachen kann man mich glücklich machen, aber ich denke viele Frauen freuen sich über leuchtende pinke, gelbe oder rote Substanzen 😉

Periodensystem der Elemente

Chemie ist wenn es kracht und stinkt

Naja, eigentlich versuchen wir unsere Reaktionen so zu machen, dass es nicht kracht und stinkt, denn dann ist meistens was falsch gelaufen. Im Studium kracht es vielleicht mal bei einer Knallgas-Probe oder wenn jemand mal wieder ein Reagenzglas zerdeppert, ansonsten kracht es im Labor kaum. Und zum stinken: Ich hasse es wenn es stinkt, aber leider stinkt es in machen Teilen der Chemie mehr als in anderen. Zum Beispiel im OC (Organische Chemie) Praktikum wo wir eine Probe zum analysieren bekamen, und ratet mal wer die Substanz hatte die am meisten stinkt? Genau ich – das Aldehyd der Buttersäure auch als Butlyaldehyd bekannt.. und er weiß wie Buttersäure riecht (ja genau nach Erbrochenem) der kann sich vielleicht mein Gesicht vorstellen, als ich an meiner Probe roch. Und das geht vielen (vor allem den weiblichen) Chemiestudenten so, aber auch kein Chemiestudent mag solche Gerüche. Was wir Chemiestudenten vielleicht lieber mögen, als die die es nicht studieren, sind die Gerüche von Lösemitteln 😉

Chemie ist ein Männerfach

Es lässt sich auf jeden Fall nicht bestreiten, dass Chemie sehr Männerlastig ist, ich war ein Semester an der RWTH Aachen und studiere nun an der FH Aachen und an beiden Hochschulen gab es mehr Männer als Frauen, die Chemie studierten. Aber es gibt natürlich auch bei den Chemikern Frauen 😉

Chemiestudenten hantieren mit hochgiftigen Substanzen herum, obwohl sie nicht genau wissen wie giftig diese überhaupt sind

Meistens stimmt das sogar, zwar müssen wir uns vor jedem Praktikum mit den Gefahren unserer Substanzen beschäftigen, wir wissen auch alle was die roten Aufkleber auf den Chemikalien heißen, aber genau kann man gerade als Student nicht alle Gefahren abschätzen.. Aber wir lernen ja daraus 😉

Gefahrstoffpiktogramme

Chemiestudenten haben utopische Stundenpläne und keine Zeit für Privatleben

Ja – gerade an der RWTH war ich von morgens 6 bis abends 22 Uhr unterwegs, danach noch was essen, bisschen fernsehen und lernen und dann ins Bett. Für Privatleben, geschweige denn feiern war damals keine Zeit. Deswegen wechselte ich auf eine FH, wo mein Leben deutlich entspannter ist, denn die Stundenpläne sind zwar sehr voll, aber nach ein- zweimal Besuch einer Vorlesung kann man gut abschätzen ob man wirklich hin muss. Neben dem Studium hab ich deswegen auch viel Freizeit: Kino mit meinen Freundinnen, meinen Freund treffen, mich um meine Tiere kümmern, feiern halt alles was Frau so macht..

Chemiestudenten nerven andere mit ihrem Fachwissen

Es gibt die einen und die anderen. So gibt es Chemiestudenten von denen ich noch nie ein anderes Thema gehört habe außer Chemie, aber alle die mich kennen, können (hoffentlich) bestätigen, dass ich nicht so bin. Klar, wenn mich jemand nach etwas chemischem fragt oder ich hier auf meinem Blog Fragen aus der Chemie beantworte, versuche ich so gut es geht zu helfen, aber in meiner Freizeit hab ich Themen, die mir deutlich wichtiger sind als die Protonen und Elektronen 🙂

Chemiker stehen immer im Labor

Nö, selbst im Studium stehe ich nicht jeden Tag im Labor, vielleicht 1mal die Woche. Aber auch hinterher im Berufsleben gibt’s die einen und die anderen Chemiker, manche stehen im Labor, andere sitzen aber auch einfach im Büro oder arbeiten in ganz anderen Feldern als in der reinen Chemie (z.B. Unternehmensberatung, Patentanwalt).

Chemiker sind Freaks

Ich sehe mich selbst gar nicht als Freak, auch die Leute mit denen ich im Studium viel zu tun habe, sind normal, wir reden kaum über Chemie. Aber ja, es gibt viele Chemiestudenten, die ihr Studium sehr ernst nehmen, viel lernen und immer als erstes die Antwort zu kennen meinen, aber die gibt es ja überall – wobei ich denke, dass in der Chemie besonders viele unterwegs sind.

Was haltet ihr von Chemiestudenten?

miss declare

funken

Comments 12

  1. Ich glaube jeder Beruf hat so seine typischen Klischees. Über Chemiestudenten habe ich solche aber bisher eher weniger gehört.
    Das einzige was mir so einfallen würde, wäre auch, dass sowas sicherlich mehr Männer studieren 😀
    Meine Cousine wollte das damals auch unbedingt studieren 🙂

  2. Eine sehr schöne Beschreibung wie das Chemiestudium tatsächlich aussieht. Besonders der sehr hohe Zeitaufwand ist tatsächlich eigentlich das „Hauptproblem“, wie du auch gut beschrieben hast. Man hat sehr wenig Zeit für Privatleben wenn man irgendwann über 50 Stunden pro Woche an der Uni ist, und danach noch Protokolle schreibt und für die Uni lernt. Ich selbst stand im Regelfall während des Studiums an drei Tagen pro Woche im Labor: einmal 8 Stunden und zweimal 4 Stunden.

    Ein großer Vorteil an der Chemie ist aber tatsächlich, dass man danach wirklich nicht mehr im Labor stehen muss, wenn es einem nicht liegt. Oder auch ganz viel im Labor stehen kann, wenn man es will. Mich hat es oft gerettet, dass wenn das Theoriewissen nicht so saß, ich es mit etwas handwerklichem Geschick im Labor ausgleichen konnte. Und andersrum 🙂

  3. Ich kenne auch ein paar Chemiestudenten, würde aber nicht behaupten, dass die irgednwie komisch sind.
    Es ist einfach ein Fach, dass nicht viele sonderlich interessiert, aber bestimmt auch so seine Reize hat. Es mag ja auch nicht jeder Englisch. 😉

  4. Ich verstehe das Problem gar nicht, kenne es aber aus eigener Erfahrung nur zu gut. 😉 Ich studiere Lehramt für die Fächer Deutsch und Religion. Das beinhaltet für einige schon zwei anstößige Fakten. 1.) Lehramt. – Wie kann ich nur? Ich ende doch eh als nervliches Wrack, bei der Jugend heutzutage… 2.) Religion. „Glaubst du das alles echt?“ / Was glaubst du, was ich mir manchmal anhören muss. 😉 Aber ich lächle das alles weg. Ich mache das, weil es mich interessiert. Weil ich es mag.
    Es kann doch jede(r) studieren, was er/sie möchte…? 🙂 Nicht jedem kann alles liegen – und nur weil ich selbst etwas nicht kann oder mag, heißt es nicht, dass andere das nicht machen dürfen. Also ich finde es toll, dass du Chemie studierst. – Obwohl ich damals eben selbst auch nicht so gut im Chemie war. – Mach, was du möchtest und was dir liegt. Und wer dich schätzt, wird es auch gut finden. 🙂
    Ganz liebe Grüße,
    Patrick von ‚Zeit für FREI!‘

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      Hallo Patrick,

      ja das stimmt.
      Ich denke, dass man dazu stehen sollte was man studiert.
      Aber gerade als Chemiestudent gucken viele erstmal doof, wenn man davon erzählt 🙂

  5. Sehr sympatischer Post 🙂
    Ich fühle quasi mit, ich kenne das zu gut, als Frau mit einem Abschluss in Physik. Ich erhöhe das Ganze noch um die Frage: „Sind die Leute wirklich so wie in The Big Bang Theory?“… Ich hätte eine Strichliste machen sollen 😀
    Liebe Grüße
    Julia x

    1. Post
      Author

      Hallo Julia,

      die Frage hab ich zum Glück noch nie bekommen, aber lustig 😉
      Als Chemikerin bin ich zwar kein großer Fan von Physik, aber ich bestaune immer wieder die, die Physik verstehen 🙂

  6. Liebe Maike,
    ein sehr interessanter Beitrag. Ich habe mich damals mit Chemie auch schwer getan. Das liegt aber glaube ich eher daran, dass ich mich für die Naturwissenschaften nicht so sehr begeistern kann, wie für Sprachen.
    Ich wünsche dir aber für deinen weiteren chemischen Weg alles Gute und hoffe nun, dass ich eine direkte Anlaufstelle für Fragen habe *grins*
    Liebe Grüße
    Tami ♥

  7. Das mit den Vorurteilen hätte ich jetzt gar nicht gedacht, ich denke manchmal daran, dass ich doch gerne lieber Chemie studiert hätte 🙂 In der Schule war das eines meiner guten Fächer, aber wenn ich mich recht daran erinnere, war ich so ziemlich die Einzige, die Spaß daran hatte. Ich finde Chemie nach wie vor interessant.
    LG Binara

    1. Post
      Author

      Liebe Binara,

      doch leider ist das vor allem Frauen gegenüber momentan total viel.
      Ich find Chemie auch echt toll und kann jedem der sich dafür interessiert ein Studium empfehlen 🙂

  8. Komisch bist Du ganz und gar nicht, trotz des Chemiestudiums 😀

    Mein Sohn studiert Energie- und Umwelttechnik und ist auch kein ökologisch einwandfreier Birkenstock-Träger.

    Klischees gibt es überall, aber es gibt auch immer wieder tolle Menschen, die sie widerlegen. Meistens entstehen Vorurteile ja eigentlich durch Unwissenheit.

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