Nagellackentferner: Mit oder ohne Aceton?

Als Chemiestudentin arbeite ich fast täglich im Labor mit Aceton, aber gerade im Alltag sind sich viele unsicher, ob der Aceton im Nagellackentferner schädlich ist. Deswegen möchte ich heute genau erklären, woraus ein Nagellackentferner eigentlich besteht und was es mit dem Aceton auf sich hat.

Welche Inhaltsstoffe finde ich in Nagellackentfernern?

  1. Ethylacetat (Essigsäureethylester): ist als gutes Lösungsmittel ein wichtiger Bestandteil von Nagellackentferner und trägt dazu bei, dass sich der Nagellack löst.
  2. Butylacetat: klares durchsichtiges Lacklösemittel mit angenehm fruchtartigem Geruch.
  3. Isopropanol: sekundärer Alkohol und starkes Lösungsmittel was oft in Desinfektionsmitteln zu finden ist
  4. Glykol: zweiwertiger Alkohol, der sich vom Ethylenglycol ableitet und als Lösungsmittel wirkt
  5. Öle: die meisten Nagellackentferner enthalten zusätzlich Öle, um die durch die Chemikalien strapazierten Nägel zu pflegen.
  6. Duftstoffe: sorgen für einen angenehmen Geruch des Nagellackentferners
  7. Aceton: Manche Nagellackentferner enthalten heutzutage noch Aceton. Aceton ist ein starkes Lösungsmittel und wird deswegen in Nagellackentfernern verwendet.

Mehr zu Aceton

Aceton ist der Trivialname für Propanon, einer farblosen Flüssigkeit mit charakteristischem Geruch, die oft als Lösemittel genutzt wird.

Aceton ist leicht entzündlich und kann mit Wasser in jedem Verhältnis gemischt werden. In der Chemie wird Aceton als ein sehr gutes Lösemittel geschätzt, da acetonhaltige Lösemittel leistungsfähig und „aggressiv“ sind und dadurch besonders geeignet sind hartnäckige Klebstoffe oder Lacke zu entfernen.

Aceton verdampft sehr schnell. Die Dämpfe können Kopfschmerzen auslösen und in höheren Dosierungen narkotisierend wirken, die Konzentration im Nagellackentferner sind jedoch nicht so hoch.

Acetonhaltiger Nagellackentferner? – Ein Experiment

Um die Wirkung von Aceton im Nagellackentferner zu veranschaulichen, gibt es ein „Experiment“ was Du schnell und einfach bei Dir zuhause durchführen kannst:

Du brauchst entweder drei Kunstnägel oder Deine eigenen Nägel, die Du in einer beliebigen (am besten kräftigen) Farbe lackierst.

Auf jeden Nagel tropfst Du jeweils einen Tropfen Aceton, Alkohol oder Wasser (natürlich kannst Du statt Aceton einfach acetonhaltigen Nagellackentferner und für Alkohol einen acetonfreien Nackellackentferner nutzen), dann wischst Du mit einem trockenem Tuch über den Nagel. Wenn Du die Tropfen nicht direkt auf eure Nägel machen magst, dann tropfe sie einfach auf das Tuch.

Ergebnis

  • Aceton: der Nagellack löst sich fast vollständig ohne festes Reiben
  • Alkohol: der Nagellack löst sich teilweise und nur durch festes Reiben
  • Wasser: der Nagellack löst sich gar nicht

Als starkes  Lösemittel löst Aceton den Lack schnell und effektiv, da Alkohol ein nicht so gutes Lösemittel ist, löst sich der Nagellack dementsprechend langsamer und schlechter.

Wichtige Tipps

Denke bitte daran, dass Aceton Kunststoffe angereift. Wenn Du also Acrylnägel hast, kann das Aceton diese angreifen und stark beschädigen. Hier solltest Du lieber auf acetonfreie Nagellackentferner umsteigen.

Meine Meinung

Ich persönlich liebe Aceton. Ich finde, dass acetonhaltiger Nagellackentferner nicht nur besser und schneller wirkt, sondern auch wesentlich besser riecht als acetonfreier.

Auch hatte ich nie Probleme mit ausgetrockneter Haut bzw. Nägeln, da das Aceton sehr schnell flüchtig wird. Ansonsten gilt: Einmal Hände eincremen nach dem Nagellack entfernen. Da ich finde, dass auch Alkohol die Haut austrocknet, ist acetonfreier Nagellack keine Alternative für mich.

Wie ist Deine Meinung zu diesem Thema?

maike

Comments 18

  1. wahnsinnig toller Beitrag – gefällt mir richtig gut!
    auch ich bin der Meinung, dass Aceton einfach irgendwo sein muss, wenn es schnell gehen muss 🙂

    xoxo, laura :*

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      Liebe Tine,

      danke für den netten Kommentar.
      Ja das stimmt, es wird viel verrückt gemacht – gerade wir Chemiker verstehen das ganze Verrückt-macht nicht 🙂

      Lg,
      Maike

  2. Ich benutze zwar keinen Nagellack, aber auch ich habe Aceton im Labor beim OC -Praktikum lieben gelernt ;).

    Dafür ist Ethylacetat einer der ganz wenigen Stoffe, mit welchen man mich wirklich verjagen kann ( wie habe ich es gehasst, nach der IR-Spektroskopie damit das Kochsalz -Plättchen sauber zu machen. ..) .

    Beide Stoffe und ebenso Alkohole und Diethylether waren damals in rauhen Mengen im Umlauf. . . Und mehr als etwas Müdigkeitskopfschmerz nach einem langen Labortag haben wir alle nicht davon getragen.

    Liebe Grüsse,
    Kathi Keinstein

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      Liebe Kathi,

      da kann ich dir tatsächlich in allen zustimmen 😉

      Das einzige was ich nach langen Labor Tagen noch habe außer etwas Kopfweh, waren nur raue Hände, wenn ich mal die Handschuhe vergessen hab 😉

      Liebe Grüße,
      Maike

  3. Ich benutze bei der Fußpflege auch immer Acetonhaltigen Nagellackentferner. Das Ablackieren geht einfach viel schneller. Danach ein Fußbad und später gut eincremen… gepflegte Nägel garantiert!
    In Verruf geraten ist Aceton ja nur duch die Kunstnägel und Nagelverstärkungen.
    LG Annette

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      Liebe Annette,

      ja genau, viele meiner Freundinnen sind verwirrt, wenn ich erzähle, dass Aceton nur bei Kunstnägeln echt doof ist, da er diese auflöst.
      Ich finde es oft schade, dass vieles so pauschalisiert wird und kaum jemand wirklich noch weiß warum was in Verruf gekommen ist.

      Liebe Grüße,
      Maike

  4. Toller Artikel und ein sehr guter Punkt! Ich gehöre auch zu denen die auf der Haut Ethylacetat bevorzugen, ihre Laborgeräte aber natürlich mit Aceton reinigen. Ethylacetat wirkt ausserdem in hohen Konzentrationen als Rauschmittel, was vielleicht erklärt warum ich es lieber mag. Das wäre ein weiterer Grund, Aceton den Vorzug zu geben.

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      Lieber Marco,

      ja besonders im Labor bin ich echt froh wenn ich meine Flasche Aceton habe – das geht einfach super schnell und einfach (und es riecht soooo gut 😉 )
      Ich glaube einfach, dass ich auch besonders wegen des Geruchs total auf acetonhaltigen Nagellackentferner stehe 😉

  5. Hallöchen

    Ich benutze mal den mit Aceton mal ohne. Den für meine Nägel benutze ich meistens ohne da ich Gelnägel trage und das ab und an nicht verträgt. Ich nehme den mit Aceton meistens um meine Ränder vom Haare färben zu entfernen das geht einfach und schnell.

    Liebe Grüße Moni

    schönen Blogger Kommentiertag

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  7. Über Nagellackentferner habe ich mir bisher wenige Gedanken gemacht. ich benutze aber auch zugegeben selten welchen. Aber zumindest ist mir auch schon auf gefallen, dass einige den Lack schnell und einfach entfernen und man bei anderen schon so seine Mühe hat. Dank deines Beitrags weiß ich nun auch warum 😉

    Liebe Grüße
    Jana

  8. Hallo liebe Maike,

    interessanter Artikel. Ich nutze es mal so und mal so, wobei ich aber mal gelesen habe das acetonhaltiger Nagellack schädlich für die Nägel ist, auf Dauer.

    Ob das nun stimmt oder nicht weiß ich nicht, ich weiß nur das ich mir jetzt nicht täglich die Nägel lackiere und es von daher egal ist ob der Nagellackentferner nun mit oder ohne Aceton ist 🙂

    Liebe Grüße
    Martina

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      Hallo liebe Martina,

      als schädlich würde ich acetonhaltigen Nagellackentferner nur empfinden, wenn Du deine Hände lange darin „einlegst“ – im Labor hantieren wir quasi den kompletten Tag mit Aceton herum und meinen Nägeln gehts perfekt :).

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

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